Optimal versorgt in der Schwangerschaft – Teil 2: Eisen, Omega-3 (DHA) & Vitamin D

Veröffentlicht am 5. Mai 2026 um 13:17

Optimal versorgt in der Schwangerschaft – Teil 2: Eisen, Omega-3 (DHA) & Vitamin D

Im ersten Teil dieser Serie haben wir uns Folsäure und Jod angeschaut. Heute geht es um die drei weiteren „Big Five"-Nährstoffe in der Schwangerschaft: Eisen, Omega-3 (DHA) und Vitamin D. Die Inhalte basieren wie im ersten Teil auf dem Praxisbuch Ernährungsmedizin von Prof. Dr. Martin Smollich (GU Verlag, 2024) und werden durch aktuelle Empfehlungen von DGE, WHO und Verbraucherzentrale ergänzt.

Eisen: Mehr als nur Blutbildung

Ein Eisenmangel in der Schwangerschaft kann beim Kind zu Entwicklungsstörungen führen und das Risiko für Frühgeburten erhöhen. Besonders wichtig ist die optimale Eisenzufuhr in der zweiten Schwangerschaftshälfte, weil dann verstärkt für die Blutbildung des Kindes Eisen benötigt wird.

Eisenreiche Lebensmittel sind Fleisch und Hülsenfrüchte. In den klassischen Schwangerschaftsrichtlinien wird empfohlen, den Hämoglobin-Wert (Hb-Wert) zu messen. Smollich beschreibt diesen Wert allerdings als nicht optimal: Der Hb-Wert sinkt nämlich erst dann ab, wenn bereits ein schwerer Eisenmangel vorliegt. Erheblich früher sind die Eisenspeicher aber schon teilentleert – und das Kind wird nicht mehr optimal versorgt.

Aussagekräftiger: Serum-Ferritin

Smollich beschreibt im Buch die Bestimmung des Serum-Ferritinwerts als aussagekräftigere Methode. Ferritin ist die Speicherform von Eisen und zeigt, wie gut die Eisenreserven gefüllt sind, lange bevor der Hb-Wert abfällt. Auch die Verbraucherzentrale empfiehlt, bei Verdacht auf Eisenmangel zusätzlich den Ferritin-Wert bestimmen zu lassen.

Eisen niemals „auf Verdacht" supplementieren

Ein zentraler Punkt im Buch: Eisen sollte in der Schwangerschaft auf keinen Fall „einfach so" supplementiert werden – also ohne vorherige Blutuntersuchung. Der Grund: Nicht nur ein Eisenmangel ist schlecht für das Kind, sondern auch ein Eisenüberschuss.

Smollich beschreibt im Buch eine Untersuchung des Serum-Ferritinwerts einmal pro Schwangerschaftsdrittel mit anschließender ärztlicher Beratung zur individuellen Eisendosierung. Die konkrete Umsetzung gehört in die Hände deiner Ärztin oder deines Arztes.

Omega-3 (DHA): Baustoff fürs Gehirn

Während Mängel bei Folsäure, Jod oder Eisen sehr schwerwiegende Folgen haben können, ist die Sache bei Omega-3-Fettsäuren etwas komplexer. Es gibt verschiedene Omega-3-Fettsäuren, und für die kindliche Entwicklung besonders wichtig ist die Docosahexaensäure (DHA).

DHA ist der wichtigste Baustoff für die Zellmembran der Nervenzellen. Außerdem wirkt sie entzündungshemmend und reguliert das Immunsystem. Eine optimale DHA-Versorgung in Schwangerschaft und Stillzeit kann laut Smollich folgende positive Effekte haben:

  • Risikosenkung für Frühgeburten
  • Risikosenkung für Wochenbettdepression und Bluthochdruck in der Schwangerschaft
  • Risikosenkung für allergische Erkrankungen und Atemwegserkrankungen beim Kind
  • verbesserte kognitive Entwicklung und bessere kindliche Sehschärfe

Dosierungsempfehlungen DHA

Die deutschen und europäischen Fachgesellschaften empfehlen in der Schwangerschaft mindestens 200 mg DHA pro Tag. Eine 2024 veröffentlichte internationale Leitlinie (Cetin et al., u.a. unter Beteiligung der European Academy of Paediatrics) und neuere Studien (Carlson et al., University of Kansas) liefern Hinweise, dass höhere Dosierungen sinnvoll sein können:

  • Vor der Empfängnis und in der gesamten Schwangerschaft: Omega-3-reiche Ernährung (Seefisch, Algenöl, Leinöl, Rapsöl, Nüsse).
  • Standard-Supplementation: mindestens 200 mg DHA pro Tag, in einigen neueren Empfehlungen 350–450 mg pro Tag.
  • Zur Risikosenkung früher Frühgeburten (vor allem bei niedrigem DHA-Status): Studien zeigen Effekte ab Dosierungen von 1.000 mg pro Tag.
  • Bei familiärer Vorbelastung mit allergischen Erkrankungen beschreibt Smollich höhere Dosierungen (2.000 bis 2.400 mg pro Tag).
  • Obergrenze laut Buch: 2.400 mg DHA pro Tag – diese Werte sollten ohne ärztliche Begleitung nicht überschritten werden.

Fischöl oder Algenöl?

DHA kann entweder über Seefisch (bzw. Fisch- oder Krillöl-Präparate) oder über Algenöl zugeführt werden. Smollich nennt für Algenöl mehrere Vorteile: ethische und ökologische Aspekte sowie eine deutlich geringere Belastung mit Schwermetallen und Mikroplastik im Vergleich zu Seefisch. Welches Präparat für dich passend ist, klärst du am besten gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Vitamin D: Der Sonnen-Nährstoff

Vitamin D steuert das Wachstum des Kindes und reguliert das Immunsystem. Ein guter Vitamin-D-Status kann laut Studienlage das Risiko für Frühgeburten und Bluthochdruckerkrankungen in der Schwangerschaft senken.

Das Problem: Die Vitamin-D-Versorgung in Deutschland ist – vor allem im Winterhalbjahr – häufig schlecht. Über die Lebensmittel allein lässt sich kaum genug Vitamin D aufnehmen, es sei denn, man konsumiert täglich Lebertran, Innereien oder fetten Seefisch.

Was die Fachgesellschaften und Smollich sagen

Hier gibt es unterschiedliche Auffassungen, die im Buch transparent dargestellt werden:

  • Die deutschen Fachgesellschaften empfehlen eine Vitamin-D-Supplementation nur Frauen mit zusätzlichen Risikofaktoren (z. B. wenig Sonnenexposition, dunkler Hauttyp, Schwangerschaft im Winterhalbjahr).
  • Smollich beschreibt im Buch eine andere Sichtweise: angesichts der Studienlage hält er bereits zu Beginn der Schwangerschaft eine Bestimmung des Vitamin-D-Werts im Blut für sinnvoll. Liegt der Wert unter 75 Nanomol pro Liter (= 30 ng/ml), wird im Buch eine Supplementation beschrieben.
  • Die Verbraucherzentrale nennt 20 µg (= 800 I.E.) Vitamin D pro Tag bei fehlender Eigensynthese.
  • Wenn ohne vorherige Blutwertbestimmung supplementiert werden soll, beschreibt Smollich einen Bereich von 1.000 bis maximal 4.000 Internationalen Einheiten (I.E.) pro Tag. Höhere Dosierungen sollten nur nach ärztlicher Blutuntersuchung erfolgen.

Was für dich konkret in Frage kommt, ist eine individuelle Entscheidung – und gehört in die Hände deiner Gynäkologin oder deines Gynäkologen.

Zusammenfassung

Mit Eisen, DHA und Vitamin D haben wir die Big Five komplettiert. Während Folsäure und Jod relativ pauschal supplementiert werden können, sind Eisen und Vitamin D Werte, deren Bestimmung im Blut sinnvoll sein kann. Bei DHA gibt es verschiedene Quellen mit jeweils eigenen Vor- und Nachteilen.

Im dritten und letzten Teil der Serie geht es um Cholin, vegetarische und vegane Schwangerschaft, sinnvolle Multinährstoffpräparate sowie Spezialthemen wie Vitamin B6 bei Schwangerschaftsübelkeit, Kalzium gegen Präeklampsie und worauf in der Stillzeit zu achten ist.


Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keinen ärztlichen Rat.  Supplementierungen in der Schwangerschaft immer mit deiner Gynäkologin oder deinem Gynäkologen ab.

Quelle: Prof. Dr. rer. nat. Martin Smollich: Das große Praxisbuch Ernährungsmedizin. GU Verlag, 2024. Ergänzend: Cetin et al. (2024) – Klinische Praxisleitlinie Omega-3-Fettsäuren in der Schwangerschaft; Empfehlungen von DGE, Verbraucherzentrale und Netzwerk „Gesund ins Leben".